{"id":286,"date":"2015-12-28T11:50:42","date_gmt":"2015-12-28T10:50:42","guid":{"rendered":"http:\/\/indien.mayser-dr.de\/?p=286"},"modified":"2016-01-20T21:18:59","modified_gmt":"2016-01-20T20:18:59","slug":"28-dez-2015","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/indien.mayser-dr.de\/?p=286","title":{"rendered":"28. Dez. 2015"},"content":{"rendered":"<p>Wie gehe ich eigentlich mit den Patienten um? Wie mit dem Elend, dem ich hier jeden Tag begegne? Kann ich eigentlich mit Patienten eine Beziehung aufbauen, deren Sprache und Kultur ich nicht verstehe?<\/p>\n<p>Sprechstunde: jede\/r von uns sitzt &#8211; alleine oder zu zweit &#8211; zusammen mit seiner \u00dcbersetzerin, in einer Kabine\/H\u00fctte\/Raum, oben meist offen, der Eingang mit einem Tuch notd\u00fcrftig verh\u00e4ngt, an einem kleinen wackeligen Tischchen, auf Plastikst\u00fchlen. (Wie war das noch mit Schweigepflicht, Pers\u00f6nlichkeitssph\u00e4re usw.?)<\/p>\n<p>Der Patient, wenn er\/sie \u00fcberhaupt einen Stempel auf dem Unterarm ergattert hat und registriert wurde, wird hereingerufen, setzt sich auf einen Plastikhocker, gibt seine gelbe Patientenakte und evtl. weitere ausw\u00e4rtige Befunde ab; wir sehen in der Karte nach letzten Befunden\/Auftr\u00e4gen. Die \u00dcbersetzerin fragt nach dem Grund f\u00fcr die heutige Konsultation.<\/p>\n<p>Typische Gr\u00fcnde neben den Anschlussverordnungen von Diabetes, Hypertonie, Epilepsie sind:<\/p>\n<p>&#8211; c + c + f (caugh + cold + fever) Husten, Erk\u00e4ltung mit und ohne Fieber, wobei ein behandelter Husten \u00fcber 14 Tage grunds\u00e4tzlich verd\u00e4chtig auf eine Tuberkulose ist,<\/p>\n<p>&#8211; belly pain = Bauchschmerzen, kann aber schlie\u00dflich auch ganz andere Lokalisationen habe,<\/p>\n<p>&#8211; back pain = R\u00fcckenschmerzen, kann auch hier andere Lokalisationen haben,<\/p>\n<p>&#8211; dizziness = Schwindel &nbsp;und weakness = Schw\u00e4che.<\/p>\n<p>Die Maximalform von Beschwerden ist &#8222;whole body pain&#8220;. Hinter wievielen Beschwerden sich psychosomatische Diagnosen verbergen, kann in einer Kultur, in der solche Krankheiten nicht bekannt oder nicht akzeptiert sind, nur gesch\u00e4tzt werden; die Zahl ist wahrscheinlich sehr hoch.<\/p>\n<p>Das Gespr\u00e4ch findet nat\u00fcrlich zwischen dem Patienten und der \u00dcbersetzerin statt, von dem ich nicht mehr als Mimik (in der Seitenansicht) und Tonfall erfassen kann. Ob das, was meine \u00dcbersetzerin mir dann meist gek\u00fcrzt und in englisch wiedergibt, dem Original entspricht, h\u00e4ngt von deren Qualit\u00e4t (und Stimmung, usw.) ab. Die meisten Patienten bleiben auch im weiteren Gespr\u00e4ch im Blickkontakt mit der \u00dcbersetzerin, schlie\u00dflich versteht und spricht sie ja ihre Sprache. Diese ist meist langj\u00e4hrig in dieser Sprechstundenform, im Umgang mit den Patienten und im lokalen Krankheitsspektrum erfahren, manchmal erfahrener als die alle 6 Wochen wechselnden german doctors. Ob sie dem Patienten das weitergibt, was ich gesagt habe, kann ich wiederum nicht verstehen.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich gilt ja: eine Beziehung entsteht in den ersten zehn Sekunden einer Begegnung.<\/p>\n<p>Nach 4 Wochen sieht man &#8222;seine&#8220; ersten Patienten wieder, weil der Zeitraum, f\u00fcr den Patienten ihre Medikamente mitbekommen, vier Wochen betr\u00e4gt. Dabei ist die Liste der bevorrateten Medikamente allein schon aus Kostengr\u00fcnden sehr beschr\u00e4nkt, deckt aber die h\u00e4ufigsten Krankheiten ab.<br \/>\nHier und bei Patienten, um die man sich diagnostisch und therapeutisch intensiver bem\u00fcht hat, habe ich das Gef\u00fchl &#8211; ich kann mich t\u00e4uschen -, dass eine Beziehung entstanden ist. Wie muss sich das f\u00fcr den Patienten anf\u00fchlen, wenn sp\u00e4testens beim dritten Besuch ein anderer Doktor da sitzt, w\u00e4hrend die \u00dcbersetzerinnen \u00fcber lange Zeit dieselben bleiben?<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/indien.mayser-dr.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/2015-12-28_bild77b.jpg\" rel=\"attachment wp-att-297\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-297\" src=\"http:\/\/indien.mayser-dr.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/2015-12-28_bild77b-768x1024.jpg\" alt=\"2015-12-28_bild77b\" width=\"690\" height=\"920\" srcset=\"http:\/\/indien.mayser-dr.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/2015-12-28_bild77b-768x1024.jpg 768w, http:\/\/indien.mayser-dr.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/2015-12-28_bild77b-225x300.jpg 225w, http:\/\/indien.mayser-dr.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/2015-12-28_bild77b-113x150.jpg 113w, http:\/\/indien.mayser-dr.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/2015-12-28_bild77b.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 690px) 100vw, 690px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie gehe ich eigentlich mit den Patienten um? 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